von Balthasar

Eine kleine Geschichte meiner außergewöhnlichen Fähigkeit mich Teleportieren zu können.

Ja ich kann das.
Manche mögen es vielleicht auch „beamen“ nennen oder sonst wie, wie auch immer, ich kann es. Zwar nicht immer und überall, auch hab ich keine Kontrolle darüber wann es passiert, warum es passiert und ausgerechnet mit mir geschieht. Auch brauche ich keinerlei technisches Gerät dazu. Keinen Menschen der auf irgendwelche Knöpfe drückt oder Regler bedient a la „ Scotty beam me up“.
Witzigerweise gibt es diesen ach so berühmten „ Scotty beam me up“ Satz im original der Star Treck Serie gar nicht.
Denke das muss wohl eher mit eine geistigen Fähigkeit zusammenhängen, und ich muss mich erst daran gewöhnen und lerne damit zu leben. Bislang habe ich dieses Können noch nicht zu meinem Vorteil nützen können. Jetzt mal ganz abgesehen von den
Nebenwirkungen, welche wirklich sehr unangenehm sind und mitunter sogar peinlich sein können.
Eine sehr große Rolle dürfte wohl die Entfernung spielen. Meine maximale „Beamdistanz“ ( also mein persönlicher Rekord) liegt bis zum heutigen Tag bei doch immerhin fast annähernd 40 km.- in Worten: Vierzig Kilometer. Ich höre jetzt schon die Zweifler rufen: „Beweise, wir wollen Beweise“.
Möchte jedoch nichts mehr beweisen müssen, glaubt mir, oder lasst es sein.

Noch da?

Also weiter mit meiner Geschichte.
Heute war es wieder mal so weit, ich habe mich teleportiert, über knapp 13000 Meter. Weiß nur noch, es war am frühen Vormittag, so gegen 9 Uhr.
Eine dieser lästigen Nebenwirkungen ist jenen, die einem völlig das
Zeitgefühl zu rauben scheint. Also kann ich zur genauen Uhrzeit leider keine näheren Angaben machen.
Also ich denk mir irgendwann gegen 9 Uhr, ich muss in den in den nächsten größeren Ort, zum Supermarkt um Milch, Brot, Katzenfutter, Kaffe, Zucker, eine Tageszeitung, Tiefkühlpizza und Papiertaschentücher zu besorgen. Na eventuell mehr als eine Pizza, ist ja Freitag , möchte aber Samstag und Sonntag eventuell auch was essen, und mir morgen den mühevollen Weg in die Ortschaft ersparen.
Ich weiß noch ganz genau ich hab mir die Schuhe angezogen, mein Handy in den linken hinteren Hosensack getan, Radio in der Küche ausgemacht, und plötzlich, wie aus dem Nichts, Peng, stehe ich im Supermarkt.
Da stehe ich also und eine weitere Nebenwirkung, und zwar die
Zweitschlimmste tritt ein-
Was bitte mach ich hier?
Nur noch schlimmer wäre:
Wer bin ich ?- und was mach ich hier?
Ok.- darüber nachzudenken wer ich bin, würde wohl die liberalsten
Öffnungszeiten eines jeden Supermarktes bei weitem überschreiten, aber was mach ich jetzt?
Na, nur nichts anmerken lassen.
Mein plötzliches Erscheinen dürfte, Gott sei dank, mal wieder niemanden aufgefallen sein. Also lächle ich und beordere mal bei der mittlerweile gar nicht mehr ganz so freundlichen Bedienung an der Käsetheke, ( wieso bin ich ausgerechnet an der Käsetheke gelandet?) , wahrscheinlich, nein , sicher sogar wollte ich wohl
Käse käuflich erwerben, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, „ich hätte bitte gerne, na sagen wie mal so zirka 15 Dekagramm Emmentaler.
Emmentaler?
Was bitte soll ich mit Emmentaler?
Ganz einfach, kauf noch zwei Semmeln ( Brötchen * gr *) dazu, gibt ein tolles Käsefrühstück.
In meinem Kopf flüstert eine Stimme: „Katzenfutter“.
Na klar, jetzt kenn ich mich wieder aus. Deswegen also bin hier, die armen Viecher haben ja nichts mehr zu fressen. Also, Freitag, Samstag, Sonntag, plus Reserve, für vielleicht...
ach was weiß ich denn, nehme also 5 Dosen Katzenfutter, dann auf zur Kassa, dort die nächste Nebenwirkung einer Spontanteleportation:
Meine Börse ist nicht mitgebeamt worden !
Hab aber glücklicherweise noch ein wenig, allerdings zu wenig, Kleingeld in meiner linken vorderen Hosentasche, bleib den Rest schuldig (die Dame an der Kassa kennt mich ja schon), pack meine 5 Dosen, 2 Semmeln und den Käse in einen, viel zu großen, Karton, begebe mich aus dem Supermarkt, und siehe da, Ihr werdet es nicht
für möglich halten, da steht doch wahrlich und in voller Lebensgröße- mein Auto.
Da freue ich mich aber sehr, denn die Aussicht auf 13 km Fußmarsch war wahrlich nicht sehr verlockend gewesen.
Aber halt, nicht allzu früh gefreut.
Auto gut und schön, jedoch ich habe 4 Hosentaschen:
links vorne (ehemals Kleingeld)- leer.
Links hinten- leer.
Leer?
Verdammt, wo ist mein Handy?
Egal, mit dem kann ich sowieso nicht nach Hause fahren.
Rechts hinten- ah, da ist was. Und wirklich, da ist der Rest einer Packung Blumensamen.??
Darüber mach mir mal später Gedanken.
Rechts vorne- Taschentücher! Erinnert mich an etwas. Fällt mir aber jetzt nicht ein.
Ich stehe also, in Badepantoffel(?), Karton in der Hand, am Parkplatz des Supermarktes und sehe voller erstaunen, das die Fenster meines Autos geöffnet sind.
Habe ein braves, mitdenkendes Automobil, ist ja ein herrlicher, sonniger Frühsommervormittag und meine Auto (schwarzer Farbe) möchte mich nicht in der Hitze des Fahrzeuginneren leiden sehen und hat schon mal die Fenster und das Schiebedach geöffnet.
Also ich war das ganz sicher nicht.
Und siehe da, sogar der Schlüssel steckt im Zündschloss.
Mann, hab` ich aber auch wieder Glück heute.
Mach mich also auf den Heimweg, genieße den Fahrtwind, den Blick auf Wälder und Wiesen, komme zuhause an, erspare mir wieder mal das Aufschließen der Haustür, das Radio in der Küche spielt ganz was anderes als im Auto, am Klo brennt das Licht (falls es plötzlich dunkel werden sollte), der Käse im Auto beginnt vor sich hinzuschmelzen, ich freue mich auf meine Thunfischpizza am Abend-
was wollte ich gerade machen?
Ah ja- einkaufen gehen!?

Wer sich jetzt fragen sollte wo denn mein Handy geblieben ist- ruf mich einfach an, dann werde ich es wissen (so es eingeschaltet ist).